25.8.2020 FNP

Stadt Frankfurt prüft erneut die Durchmesser der Rohre

Bericht des Magistrats vom 05.05.2023, B 196

Die Stadtentwässerung Frankfurt am Main beantwortet die Fragen wie folgt:

Zu Frage 1:

Zur Fragestellung ist grundsätzlich festzustellen, dass das Kanalnetz bei seltenen und extremen Starkregenereignissen von untergeordneter Bedeutung ist. Die in kurzer Zeit auftretenden Niederschlagsmengen können nur zu einem geringen Teil über die Sinkkästen und die Kanalisation abgeführt werden. Die Kanäle sind nach den anerkannten Regeln der Technik nur für die Ableitung geringerer Starkregen (Bemessungsregen) vorgesehen, da eine vollständige Ableitung von extremen Starkregen-Niederschlägen über unterirdische Kanäle zu teuer und ohnehin aufgrund des Platzbedarfes kaum umsetzbar wäre. Bei Starkregenereignissen werden die Niederschläge daher zwangsläufig überwiegend über die Oberfläche abgeleitet.

Um Mängel bei der oberflächigen Ableitung im Stadtgebiet zu erkennen, hat die Stadt Frankfurt am Main Starkregengefahrenkarten nach den aktuellsten Erkenntnissen erstellt. Die Starkregengefahrenkarten können unter https://geoportal.frankfurt.de/karte/ eingesehen werden.
Die Karten sollen Grundstückseigentümer:innen bei der Eigenvorsorge unterstützen und dienen der Stadt Frankfurt am Main als Grundlage für alle Planungen.

Eine koordinierte Auswertung, Priorisierung und Bearbeitung von Gefährdungsbereichen im Stadtgebiet wird zurzeit vorbereitet. Dazu gehört das Pilotprojekt „Starkregenvorsorgekonzept Frankfurter Berg“ im Ortsbezirk 10. Die SEF hat gemeinsam mit dem Amt für Straßenbau und Erschließung (ASE) ein Ingenieurbüro mit der Ausarbeitung eines Starkregenvorsorgekonzeptes für den betroffenen Bereich rund um den Holunder- und Azaleenweg beauftragt. Das Büro hat im Januar 2023 die Arbeit aufgenommen. Zwischenergebnisse werden für das 3. Quartal 2023 erwartet, die dann auch dem OBR 10 vorgestellt werden.

Im Kanalnetz gibt es grundsätzlich an einigen Stellen im Stadtgebiet hydraulische Engpässe, welche bei stärkeren Regenereignissen fast ausschließlich sehr lokal auf einzelne Straßenabschnitte begrenzt Überstauereignisse verursachen können. Die SEF erstellt regelmäßig Kanalnetzberechnungen, mit denen die Leistungsfähigkeit der Entwässerungsanlagen nachgewiesen werden. Bei Mängeln werden Sanierungslösungen konzipiert, rechnerisch überprüft und umgesetzt. Für den Nordwesten Frankfurts steht eine neue Kanalnetzberechnung kurz vor der Fertigstellung. Detaillierte Angaben sind auf Nachfrage einsehbar, aufgrund der Gesamtkomplexität und der Größe des angesprochenen Gebietes hier jedoch nicht näher ausführbar.

Probleme im Sinne fehlender Kanäle sind der SEF und dem ASE nicht bekannt. Ansonsten befasst sich die SEF im Kanalnetz bereits mit dem erhöhten Fremdwassereintrag in das Kanalnetz in Bonames. Die SEF hat deshalb im Jahr 2022 eine Messkampagne durchführen lassen. In der Folge wird ein Maßnahmenkonzept erarbeitet.

Über Probleme mit erheblich verstopften Gullys liegen dem ASE (zuständiges Amt) keine Informationen vor (siehe Frage 2). Auch über anhängige Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit Starkregenereignissen liegen weder der SEF noch dem ASE Informationen vor.

Zu Frage 2:

Dem ASE liegen keine Meldungen über erheblich verstopfte Straßengullys vor. Die Sinkkasten-Körbe werden von der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) regelmäßig gereinigt.

Erfahrungsgemäß werden Sinkkästen direkt während des Starkregenereignisses durch die Sturzfluten kurzfristig zugeschwemmt, sodass eine häufigere Reinigung für die Starkregenvorsorge wenig bewirkt. Bei zugeschwemmten Sinkkästen wird darum gebeten, diese über den städtischen Mängelmelder (https://www.ffm.de) oder über das Bürgertelefon (115) zu melden.

Zu Frage 3:

Siehe Ausführungen zu Frage 1

Zu Frage 4:

Die BAB 661 wurde nach seinerzeit gültigem Recht und auf Grundlage eines Planfeststellungsverfahrens in den 1970er Jahren gebaut. Welche Wechselwirkungen hinsichtlich der Entwässerung der damalige Bau der Autobahn auf die heutige Siedlungsstruktur hat, ist nicht nachvollziehbar.

Die Entwässerung der Bundes-Autobahn erfolgt nach unserem Kenntnisstand im Wesentlichen in den nördlich entlang der Autobahn verlaufenden Regenwasserentlastungkanal. Dieser nimmt auch den größten Teil des Regenwassers aus den umliegenden Stadtteilen auf und leitet es in die Nidda ab. Teilbereiche der Stadtteile entwässern in den verrohrten Oberwiesengraben oder in den teils offenen, teils verrohrten Lachegraben. Beide Gräben münden in den Entlastungskanal. Der tiefliegende Entlastungskanal hat einen Durchmesser von 2,50 Metern und ist nach den derzeitigen Erkenntnissen ausreichend leistungsfähig.

Zu Frage 5:

Die Bebauung am Azaleenweg liegt topografisch tiefer als die Bebauung rund um den Liguster- und Holunderweg. Es sind daher durch die Bebauung im Azaleenweg keine negativen Auswirkungen auf die Entwässerung im Bereich des Liguster- und Holunderwegs zu erwarten. Im Detail verweisen wir auf das Starkregenvorsorgekonzept für den Frankfurter Berg, das derzeit erarbeitet wird (s. Antwort zu Frage 1).

Ergänzend wird zu den Hinweisen auf nennenswerte Probleme am zwischenzeitlich ausgebauten Weg entlang der ehemaligen Trasse der Straßenbahnlinie 13 in Berkersheim mitgeteilt, dass bei den Instandsetzungsarbeiten am Wirtschafts- und Radweg östlich des Dachsbergs (ehemalige Bahntrasse) keine baulichen Änderungen vorgenommen wurden. Die Unebenheiten und Schadstellen in der Deckschicht wurden behoben: Die Deckschicht wurde abgefräst und der Unterbau punktuell ausgebessert. Anschließend wurde die Deckschicht eingebaut und die Bankette wurden wiederhergestellt. Im Weiteren wird auf die Stellungnahme (ST 2652 vom 21.11.2022) zur OM 1642 des Ortsbeirates 10 verwiesen, die sich auf diesen Überflutungsbereich bezieht.

Ortsbeirat 10: Antrag vom 31.01.2022, OF 233/10

Der Ortsbeirat 10 möge beschließen:

Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen:

Der Magistrat wird in Verbindung mit den zuständigen Stellen um Prüfung und ausführliche Berichterstattung anhand von detaillierten ursprünglichen und aktuellen Plänen (jeweils nebst Erläuterungen, vor und nach Veränderungen) bezüglich der folgenden Fragen gebeten:

  1. Welche Probleme beziehungsweise Schwachstellen wurden in den fünf Stadtteilen des Ortsbezirks 10 mit der vorhandenen oder fehlenden Kanalisation (oder auch nur mit erheblich verstopften Gullys) festgestellt, bisher nicht gelöst oder von dritter Seite reklamiert, eventuell auch gerichtlich?
  2. Können die von Starkregen gefährdeten Gullys öfter gesäubert werden?
  3. Welche Lösungen der zu 1 erwähnten Probleme sind möglich beziehungsweise welche nennenswerten Hindernisse diesbezüglich noch zu klären?
  4. Welche Auswirkungen hatte der seinerzeitige Bau der A661? Wie wurde kanalisiert? Was sollte versickern, was sollte durch den Niddafluter oder den Lachegraben weiterfließen? Was gilt es hier zu verbessern? Gibt es wegen etwaiger Fehler Ansprüche/Rückgriffsrechte gegen Dritte (zum Beispiel das Land Hessen oder auf den Bund)?
  5. Welche Auswirkungen hat die seinerzeitige Neubebauung im Azaleenweg? Was gilt es hier noch zu verbessern? Gibt es Ansprüche/Rückgriffsrechte gegen Dritte?

Begründung:

In der Sitzung des Ortsbeirates 10 am 18.1.2022 gab es von hier lebenden Menschen diverse Hinweise auf nennenswerte Probleme mit vorhandener oder fehlender Kanalisation sowie auf verstopfte Gullys, die erstaunlich lange Reinigungszeiten beansprucht haben sollen. Zudem gibt es Hinweise auf nennenswerte Probleme am zwischenzeitlich ausgebauten Weg entlang der ehemaligen Trasse der Straßenbahnlinie 13 in Berkersheim. Für die richtige Weiterbehandlung ist es wichtig zu wissen, welche Lösungen dazu möglich sind.

Antragsteller:
CDU

Ortsbeirat 10 – Vorstellung Starkregengefahrenkarte

  1. Sitzung des Ortsbeirates 10

Allgemeine Bürgerfragestunde

  1. Vorstellung Starkregengefahrenkarten

Im Oktober 2021 hat die Stadt Frankfurt am Main Starkregengefahrenkarten im Internet allgemein verfügbar veröffentlicht. Diese Karten zeigen anhand drei verschiedener Starkregenereignisse, welche potenziellen Überflutungstiefen und Fließgeschwindigkeiten auftreten können. In der Sitzung wird das Umweltamt Hintergründe, Methodik und Inhalte der Starkregengefahrenkarten erläutern. Danach werden die Ergebnisse für die Stadtteile des Ortsbezirks 10 allgemein dargestellt. Anschließend gibt es die Möglichkeit, Fragen zu dem Themenkomplex an die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der Ämter und Betriebe (Amt für Straßenbau und Erschließung, Stadtentwässerung, Umweltamt) zu stellen.

Frankfurter Rundschau: „Vorbeugen gegen Hochwasser“

„Die Kanalisation unserer Städte wurde konzipiert, als niemand vom Klimawandel wusste – beziehungsweise niemand die Warnungen ernst nahm, die es schon vor fast 50 Jahren gab. Jetzt ist diese Kanalisation mit den Regenmengen regelmäßig überfordert. …“

SEF/ASE/Umweltamt/Grünflächenamt treffen sich mit betroffenen Anwohnern vorort

Am 25. November 2021 trafen sich Vertreter des Stadtentwässerungsamt (SEF), des Amtes für Straßenbau und Erschließung (ASE), des Umweltamts und des Grünflächenflächenamts mit betroffenen Anwohnern des Holunder- und Azaleenwegs.

Von Frau Zeibekis (SEF) wurde u.a. verkündet, dass wir das Pilotprojekt für Frankfurt sein sollen.  Dabei soll später ein spezialisiertes Ingenieurbüro beauftragt werden

Es folgten intensive Gespräche mit den Betroffenen, die ihre jeweils individuelle Lage schilderten. Diese wurden von der SEF aufgenommen. Dabei wurden auch verschiedene Lösungsmöglichkeiten angesprochen.

Die Fragen zu möglichen Retentionsflächen, Zisternen, Rigolen und Notwasserwegen wurden angesprochen.

Im Nachhinein hatte ich der SEF Pläne von 1952 aus dem Archiv der Bauaufsicht per Mail gesendet. Darin ist zu erkennen, dass auch von den hinterliegenden Blöcken das Regenwasser in den Kanal im Holunderweg geleitet wird.  Die Frage ist, ob die Regenrohre in der Straße zu klein dimensioniert sind.