17.8.2017 Frankfurter Neue Presse – 23 Zehn-Liter-Eimer voll Wasser aus dem Keller geholt

von Andreas Haupt

Hausbesitzer im Holunderweg fordern größere Regenwasserkanäle für ihr Quartier

Lange Zeit hatten die Anwohner im Westen des Holunderwegs kaum Wasser in ihren Kellern. Doch seit einigen Jahren wird das Problem wieder schlimmer, sagen sie.

Frankfurter Berg. 

Früher, in den siebziger Jahren, war es ähnlich schlimm, erinnert sich Wilhelmine Brunner. Oft stand das Wasser in jenem Haus, dass sie und ihr Mann, Wolfgang Brunner, 1978 im Holunderweg bezogen. Die städtischen Kanäle haben es nicht geschafft, das Wasser abzuleiten. „Der Bürgerverein, dessen Vorsitzender ich lange war, setzte sich für einen Ausbau des Kanals ein“, erinnert sich Wolfgang Brunner. Es half: Danach hatten die Häuser am Westende des Holunderwegs trockene Keller. „Doch seit ein paar Jahren wird es wieder schlimmer“, sagt Karl Heinz Back. Einmal im Jahr stehe wieder Wasser im Keller – so wie nach den schweren Regenfällen vom Dienstag.

Mehr als 20 Häuser sind davon betroffen, zwischen sieben und 20 Zentimeter hoch stand das Wasser. Mit am schlimmsten traf es Eberhard Centner und seine Nachbarin, Brigitte Reuter. „Im Bad im Keller steht immer noch ein wenig Wasser“, erzählt Reuter.

Mit Eimern und Pumpen

Durch den Abfluss im Kellerboden stieg bei Reuter das Wasser, ob es aus dem Kanal oder von dem Abfluss am Kellereingang kam, könne sie nicht sagen. „Nach 15 Minuten sank der Wasserspiegel wieder.“ Bei Centners Kellereingang ist anhand der Spuren zu sehen, wie hoch das Wasser stand. Seit er vor einigen Jahren 400 Euro für einen Feuerwehreinsatz zum Kellerauspumpen zahlte, kaufte er eine Pumpe – und pumpt das Wasser nun selbst in den Garten. „Wir haben 23 Zehn-Liter-Eimer voll Wasser aus dem Keller hinausgetragen“, sagt Wilhelmine Brunner.

Die Anwohner sind überzeugt, dass sie wieder Wasser im Keller haben, weil die vor 25 Jahren erweiterten Kanäle heute zu klein sind. Immerhin seien weitere Häuser gebaut worden. Die Stadt müsse die Kanäle den neuen Gegebenheiten anpassen, fordern sie.

Doch Werner Kristeller, technischer Betriebsleiter der Stadtentwässerung, erklärt, die Kanäle im Viertel seien „ausreichend dimensioniert“. Am Frankfurter Berg gebe es getrennte Kanäle für Regenwasser und das Schmutzwasser aus den Haushalten. „Die Regenwasserkanäle haben im Holunderweg anfangs 30, später 50 Zentimeter Durchmesser. Das sei groß genug. Von dort werde es zu einem Sammler unter dem Berkersheimer Weg und von dort in die Nidda geleitet.

Wasser läuft auf Straßen

Die Kanäle seien – wie in ganz Deutschland – ausgelegt, um einen Starkregen abzuleiten, wie er alle fünf bis zehn Jahre auftrete. „Der Regen am Dienstag war jedoch in vielen Teilen Frankfurts stärker, stellenweise sogar soviel wie bei einem hundertjährigen Regen.“ Dafür seien die Kanäle nicht ausgelegt. „Sind die Kanäle voll, läuft das Wasser auf die Straße.“

Das geschah auch im Holunderweg, wie Wolfgang Brunner erklärt. „Die Bürgersteige waren nicht mehr zu sehen, so hoch stand das Wasser,“ Steige das Wasser wegen starken Regens noch weiter, laufe es in die Gärten, sagt Kristeller, das sei kalkuliert. „Für diesen Fall müssen die Hauseigentümer selbst vorsorgen.“ Die Stadt könne schon aus Platzgründen unter den Straßen keine Kanäle bauen, die groß genug seien, um so viel Wasser schnell abzuleiten. Auch sei der Frankfurter Berg aus Sicht der Stadtentwässerung kein problematischer Stadtteil hinsichtlich der Größe der Kanäle

Die Feuerwehr verzeichnete am Dienstag für die Freiwilligen sowie die Berufsfeuerwehr 287 Unwettereinsätze, darunter 129 umgestürzten Bäume oder umherliegende Äste sowie 147 Wasserschäden. Sie verteilen sich gleichmäßig über das ganze Stadtgebiet, erklärt die Feuerwehr. Schwerpunkte habe es nicht gegeben. Am Frankfurter Berg waren sieben dieser Einsätze, zwei davon im Holunderweg.